Theater

Faust im Jungen Theater Göttingen

20. November 2017
Faust im Jungen Theater Göttingen

Wie so einige gehöre auch ich zu denjenigen, die in ihrer Schulzeit „Faust“ von Goethe lesen mussten. Noch heute steht das kleine gelbe Reclam Buch voll mit Bleistift-Notizen und Post-Its für die Klausur in meinem Regal. Als ich es damals, in der 11. oder 12. Klasse über die Osterferien lesen musste, habe ich so gut wie nichts verstanden.

Das wurde auch nicht besser, als wir am Ende der Ferien mit der Schule ins Thalia Theater in Hamburg gefahren sind, um und dort die Inszenierung des Stückes anzusehen. Voller Hoffnung, den Stoff nun endlich besser zu verstehen, saß ich also im Theatersessel und schaute mir das zweistündige Stück an. Schon zu Beginn wurde ich dabei von einem mit Farbe um sich werfenden Faust begrüßt. Seltsam – dachte ich – von Farbe hatte ich in dem Buch gar nichts gelesen und auch sonst war die Interpretation sehr frei (bis auf die Dialoge, diese waren nämlich der Originaltext von 1829).

Nach dem Stück, war ich also genauso schlau, wie davor. Erst als wir anfingen, die Bedeutungen und Motive des Textes im Deutschunterricht auseinander zu nehmen und zu analysieren und interpretieren, dämmerte es mir, dass die Aussage doch nicht so altbacken und vergänglich war, wie ich anfangs dachte.

Seit dem wollte ich die Inszenierung im Thalia Theater noch einmal sehen, um nun mit meinem neu erworbenem Wissen das Stück aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Leider bin ich bis heute nicht dazu gekommen. Um so glücklicher war ich, als ich las, dass das Junge Theater in Göttingen den Urfaust aufführte. Dank meines Kulturtickets, welches ich im Rahmen meines Studienausweises besitze, konnte ich mir die Inszenierung sogar für nur einen Euro ansehen. Am 18. November war es also soweit und ich saß gespannt im Saal, um zu sehen, wie dieser Regisseur den Text von Goethe interpretieren würde.

Auch bei dieser Inszenierung wurde der Originaltext von Faust beibehalten. Lediglich kleinere Szenen, wie der Prolog im Himmel oder die Unterhaltung zwischen Faust und Mephisto über ihren Pakt, wurden weggelassen. Dafür gab es dann die ein oder andere Einführung oder Erklärung von einer Erzählerin. Sicherlich der mangelnden Zeit geschuldet, aber trotzdem hätte ich mir gewünscht, dass gerade der Pakt zwischen Faust und Mephisto etwas genauer dargestellt worden wäre, da gerade Zuschauer, die mit dem Stück weniger vertraut sind, ansonsten kaum Ahnung haben dürften, was genau die beiden ausgemacht haben.

Relativ zeitnah folgte dann die Szene in Auerbachs Keller, von der ich fast ein wenig enttäuscht war. Es war eine modern inszenierte Party, die ruhig noch etwas mehr hätte aus sich heraus kommen können. Ein stärkerer Einsatz von Licht und Musik hätte meiner Meinung nach die Stimmung noch deutlicher gemacht und mehr Unterhaltung für den Zuschauer versprochen.

Introducing Grettchen, gespielt von Katharina Brehl, als gottesfürchtiges junges Mädchen. Meiner Meinung nach eine der besten schauspielerischen Leistungen an diesem Abend, vor allem ihre Verwandlung von der sittsamen zur geisteskranken Frau, die im Gefängnis landet. Auch schön, wie mit den Kostümen gearbeitet wurde. Grettchen trug zu beginn ein weites, weißes Kleid, was sie im Laufe des Stückes mit einem Korsett aufwertet und so viel weiblicher und reifer wirkte. Apropos Kostüm: Auch hier wurde alles richtig gemacht. Faust als eher spießigen Kerl in Hemd, Weste und Anzugjacke und im Kontrast dazu Mephisto mit seiner großen Gürtelschnalle, den glänzenden Schuhen und dem Pelzmantel ohne etwas drunter dazu Tattoos am ganzen Körper.

Insgesamt dauerte das Theaterstück 105 Minuten – ohne Pause. Im Anschluss sah man dann auch, was Theater unter anderem auch ausmacht, denn nur sechs Schauspieler haben an diesem Abend für die Zuschauer performt. Auch hier wird einem erst wieder deutlich, dass man eben doch kein riesiges Ensemble braucht, mit dem man jede Rolle gleich zwei Mal besetzen könnte.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass ich sehr beeindruckt war. Das Stück wurde toll umgesetzt und brillierte durch fantastische Schauspieler und wohl durchdachte Kostüme. Ich kann euch also nur empfehlen, wenn ihr demnächst in Göttingen seid, euch das Stück einmal anzusehen.

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